Donnerstag, 6. November 2008

Was ist Crossticketing?

Cross Ticketing - das heisst Verkauf von Flugscheinen mit sich überkreuzenden Daten, durch den der Kunde Mindestaufenthaltsfristen umgeht und mit dem Verfall je eines Rück- und Hinfluges Kosten spart - ist entsprechend dem Handelsvertreter - Status der Reisebüros nicht zulässig. Darauf weist der asr Bundesverband mittelständischer Reiseunternehmen hin. "Allerdings riskieren die Fluggesellschaften mit der geplanten Abschaffung des Handelsvertreter - Status einen deutlichen Zuwachs an Cross - Ticketing, da die Reisebüros dann nur noch den Interessen ihrer zahlenden Kunden verpflichtet sein würden", vermutet asr - Präsident Stephan Busch.

Derzeit sei Cross - Ticketing eindeutig ein Missbrauch und widerspreche den Pflichten des Handelsvertreters. Zwar könnten die Reisebüros, wenn der Kunde zwei oder mehrere Tickets für die gleiche Strecke zu unterschiedlichen Daten wünscht, nicht die tatsächliche Absicht des Kunden voraussehen, dürften aber ausdrücklich nicht dahingehend beraten. Außerdem gehe darüber hinaus der Kunde das Risiko ein, dass die Fluggesellschaft den Rückflug bei nicht angetretenem Hinflug automatisch storniert.

Der Bundesverband asr vertritt rund 2300 mittelständische Reisebüros in Deutschland, darunter 600 IATA-Agenturen.

So bislang die Handhabung von Crossticketing

So begann der Rechtsstreit:

Immer mehr Leute buchen statt eines Normalfluges bei Billigfliegern zwei günstige "Return-Tickets". Das spart unter Umständen eine Menge Geld. Das Amtsgericht Köln (Az. 117 C 269/04) befand, dass diese Sparmethode zulässig sei.

Im speziellen Fall kaufte ein Mann zwei Frankfurt - Dresden - "Return - Tickets". Davon nahm er nur die beiden Rückflüge in Anspruch, die Hinflüge liess er verfallen. Die Fluggesellschaft verweigerte dem Mann jedoch eine solche Ticketnutzung.

Sie war der Auffassung, erst müsse der Hin- und dann der Rückflug angetreten werden und verlangte einen Preisaufschlag. Der Mann zahlte nicht und klagte. Das Urteil ging zu seinen Gunsten aus - das AG Köln sah die "Entschliessungsfreiheit" verletzt.

Hier das Urteil in Auszügen

117 C 269/04
Ka.

Amtsgericht Köln - Im Namen des Volkes Urteil

In dem Rechtsstreit

hat das Amtsgericht Köln, Abteilung 117 gemäss 495 ZPO ohne mündliche Verhandlung... durch die Richterin am Amtsgericht Kühnle f ü r R e c h t e r k a n n t :

Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 340,32 Euro nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 01.07.2004 zu zahlen.

Die Kosten des Rechtsstreits, mit Ausnahme der Kosten, die durch die Anrufung des unzuständigen Gerichts entstanden und vom Kläger zu zahlen sind, trägt die Beklagte.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Entscheidungsgründe:

Der Kläger hat gegen die Beklagte einen Anspruch auf Schadenersatz...Die Beklagte hat die ihr aufgrund des zwischen den Parteien geschlossenen Beförderungsvertrags, der als Werksvertrag zu qualifizieren ist, obliegenden Verpflichtungen, diesen am 27.05.2004 um 10:40 Uhr von Dresden nach Frankfurt und am 19.07.2004 um 18:05 Uhr von Dresden nach Frankfurt zu transportieren nicht erfüllt...

Die Beklagte ist nicht berechtigt die Beförderung gemäß Ziffer 3.3.1 Satz 4 ihrer Beförderungsbedingungen zu verweigern. Denn diese Regelung stellt einen Verstoß gegen § 307 Absatz 2 BGB dar. Gemäß § 649 BGB ist der Besteller jeder Zeit berechtigt, den Werkvertrag zu kündigen. Auch eine Teilkündigung ist zulässig. Diese ist lediglich unzulässig, wenn sie dem Unternehmer deshalb unzumutbar ist, weil die ihm verbleibende Werkleistung wegen der Teilkündigung in ihrer Mangelfreiheit gefährdet wird. Die Beklagte ist ohne weiteres zur Erbringung der ihr obliegenden Verpflichtungen in der Lage, auch wenn ein Fluggast den Hin- oder Rückflug nicht in Anspruch nimmt. Die erbrachte Leistung ist hiervon hinsichtlich ihrer möglichen Mangelfreiheit nicht berührt.

Dieses Kündigungsrecht muss unangetastet bleiben... Die Argumente der Beklagten vermögen nicht zu überzeugen. Auch wenn ein Kunde einen Hinflug antritt, hingegen den Rückflug verfallen ließe stellte sich das selbe Problem für die Beklagte. Es ist gerichtsbekannt, dass die Beklagte ebenso wie andere Fluggesellschaften Überbuchungen bewußt deshalb in Kauf nimmt, weil Flüge vielfach storniert und umgebucht werden. Es ist ihr daher möglich Umbuchungen bzw. auch das Verfallenlassen von Flügen in ihre Kalkulation aufzunehmen. Hinzukommt, dass ihr ein wirtschaftlicher Nachteil hierdurch nicht entsteht, weil es ihr unbenommen ist, im Falle des Buchens eines günstigen Hin- und Rückfluges die Erstattung des hälftigen Flugpreises bei Inanspruchnahme nur eines Flugs auszuschließen. Es besteht keine Mitwirkungspflicht gemäß § 642 BGB des Kunden insoweit, dass dieser verpflichtet wäre, einen gebuchten Flug anzutreten. Es stellt hingegen einen nicht hinzunehmenden Eingriff in die Entschließungsfreiheit des Vertragspartners dar, diesen zum Antritt der Hinreise zu verpflichten. Hinzu kommt, dass es mannigfache Gründe gibt, die dazu führen können, dass eine Hinreise nicht angetreten wird... Es ist auch bei der Inanspruchnahme anderer Verkehrsmittel, wie beispielsweise der Eisenbahn schadlos möglich, auch im Falle einer gebuchten Hin- und Rückfahrt, eine dieser Fahrten fallen zu lassen. Es ist nicht als arglistig anzusehen, unabhängig davon, ob bei dem Kläger tatsächlich Vorsatz bei der Buchung vorgelegen hat, die Preisgestaltung der Beklagten, die nach eigenem Vortrag unter Umständen für Hin- und Rückflüge einen günstigeren Tarif als für einen One-Way-Flug anbietet, auszunutzen. Die Beklagte hat es in der Hand, ihre Preise so zu gestalten, dass die Buchung eines Hin- und Rückfluges gegenüber einem One-Way- Ticket nicht von Vorteil ist.

Der Beklagten entsteht keinerlei Nachteil dadurch, dass ein Fluggast einen Flug fallen lässt. Der Nachteil entsteht vielmehr dem Fluggast, der unter Umständen keine anteilige Rückerstattung des Tickets verlangen kann. Ihm über diesen wirtschaftlichen Nachteil hinaus die vertraglich vereinbarte hälftige Leistung zu verweigern, ist als unangemessene Benachteiligung anzusehen.

Die prozessualen Nebenentscheidungen beruhen auf §§ 91 Absatz 1, 281 Absatz 3 Satz2, 708 Nummer 11, 713 ZPO.

Kühnle
Richterin am Amtsgericht



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