Mittwoch, 13. August 2014

Google Flugsuche - Der Albtraum für Vergleichsportale

Google Flights macht die Flugsuche zum Erlebnis


Google scheint die Suche nach Flügen optimiert zu haben. War bis vor einem halben Jahr 2014 kein Flug von easyJet & Co zu finden, hat der Internet Riese jetzt mächtig aufgeholt. 

Neben den Angeboten der Billigfluggesellschaften kann sich der Nutzer entscheiden, ob er den angebotenen Flug, auf der "Seitenoberfläche" bei easyJet oder jetzt direkt gleich über die Plattform bei Google Flights kauft.

Die Angebote von Google Flights werden bei einer einfachen Eingabe - z.B.: "Rom Flüge" oder "London Flug" bei Google sofort angezeigt. Noch sind die Sponsoren in einer übergeordneten Position als Werbeträger zu finden, jedoch verleitet die Darstellung als Flugtabelle zum interaktiven probieren.






Bei der Eingabe eines passenden Datums erfolgt eine Auswahl an passenden Flügen in **Sekundenschnelle** - Hier kann kein Internet Reiseportal ernsthaft mithalten. Umfassend ist auch die nächste Auswahl. Nun kann man sich für einen Oneway, Return oder Multistopp Flug entscheiden. Die Auswahl ist auch derart gut gestaltet, dass ein Preis für Economy, Premium Economy, Business Class und First Class (wenn verfügbar) sofort angezeigt wird.






Desweiteren besteht die Möglichkeit, neben der Anzahl von Erwachsenen und Kindern, auch Kleinkinder mit und ohne Sitzplatzanspruch zu buchen. Sollte bei der Preisabfrage die Berechnung zu aufwändig werden, wird sofort die Telefonnummer der Fluggesellschaft eingeblendet, um direkt mit der Airline telefonisch Kontakt aufzunehmen. Hier wird der Vertriebsweg von Google klar - gefördert werden die Leistungsträger, also die Fluggesellschaften.






Besonders praktisch... ist der Nutzer mit seinem Google Konto angemeldet, werden viele persönliche Daten automatisch übernommen.






Die Buchung kann dann als solche bei der Airline abgeschlossen werden. Ein zusätzliches Vermittlungsentgelt fällt bei einer Buchung über die Google Plattform nicht an.






Das fehlt bei der Google Flugsuche!


Sitzplatzreservierungen werden während der Buchungsstrecke nicht angeboten. Das mag daher kommen, dass viele Airlines technisch noch keine Möglichkeit gefunden haben die Sitzplatzreservierung online, inkl. einer eventuellen Preisgestaltung, vor einer Ticketausstellung zur Verfügung zu stellen.

Rail & Fly Kunden die es gewohnt waren innerhalb Deutschlands mit der Deutschen Bahn anzureisen, also ein sogenanntes Rail und Fly Ticket zu buchen, suchen nach dieser Möglichkeit bei Google (noch?) vergeblich.

Versicherungsleistungen wie Reisekrankenversicherung, Reiserücktrisskostenversicherung, also alles zum Thema Reiseschutz muss der Kunde im Nachhinein separat buchen.







Was bedeutet diese Entwicklung für Expedia, Opodo, Swoodoo und andere online Vergleichsportale?


Das kommt darauf an, in welche Richtung Google will. Die online Portale werden stark abhängig sein von den Interessen des Internet Giganten. Entscheidet sich Google für einen Direktvertrieb, um Provisionen für die Flugvermittlung zu erhalten, dann wird das viele online Portale vom Markt verdrängen. Vielleicht ist das ein oder andere große Portal dann bereit, seine '"Infrastruktur" Google zur Verfügung zu stellen.

Der Vorteil der Online Portale gegenüber den Fluggesellschaften liegt auf dem gleichen Vertriebsweg den Google geht. Derzeit bringen die Werbeplätze, die Google in den obersten Positionen bereithält, noch viele Besucher - dass kann sich aber irgendwann vielleicht auch ändern...

Der Nachteil gegenüber den Airlines- die Online Portale müssen, um Geld zu verdienen und um die Werbeplätze bei Google finanzieren zu können, Serviceentgelte vom Kunden verlangen. Da kommt es sehr darauf an, ob die Fluggesellschaften irgendwann noch bereit sind, gute Veträge mit den Portalbetreibern und Consolidator abzuschließen.

Zwei Reiseportale sind schon in der Flugsuche bei Google zu finden. Zum einen ist es das Flugportal fluege.de vom Branchenriesen Unister und Bravofly.de - Nicht bei allen Suchanfragen, aber doch immer mal wieder besteht die Möglichkeit auch über eines der beiden Anbieter zu buchen.

Die Preise für den Abschluß einer Buchung sind jedoch bei beiden Reiseportalen höher, als bei der Fluggesellschaft. Im Grunde auch logisch, da die Vergleichsportale von den Airlines keine Provisionen erhalten, müssen sie, um zumindest kostendeckend und bestenfalls gewinnorientiert zu arbeiten, Service Entgelte erheben - Sei es durch Gebühren für die verschiedenen Zahlarten* oder den Verkauf weiterer Produkte des Reiseportals oder von Versicherungsleistungen.

  *Gebühren für Zahlarten: In der Regel verfügt nur ein kleiner Kreis der Kreditkartenbesitzer über Prepaid Karten - hat nichts damit zu tun, dass sie millionenfach akzeptiert werden - und wenn Prepaid Kreditkarten verwendet werden, dann müssen diese auch über den vollen Betrag aufgeladen sein. - Und mal ehrlich... Prepaid Kartenbesitzer haben die Möglichkeit, auch ohne Schufa Auskunft in den Besitz einer Kreditkarte zu kommen, jedoch zählen meist diese Kreditkarteninhaber nicht zu den wohlhabendsten Konsumenten.


Was bedeutet die Flugsuche von Google für die Airlines?


Auch das ist abhängig von der Richtung die Google einschlagen wird. Derzeit profitieren ohne Zweifel die Fluggesellschaften von der Flugsuche bei Google. Inwiefern die Airlines, die in den Suchergebnissen von Google gelistet werden, Zahlungen an Google fließen lassen, wäre reine Spekulation. 

Der Internetvertrieb: Auf jeden Fall müßten sich die Airlines noch besser auf den Internetvertrieb einstellen und bereit für eine gewisse Globalisierung sein. Google wird sich nicht zwingend damit anfreunden können, dass bestimmte Freigepäckgrenzen oder Umbuchungs- und Stornobedingungen der Fluggesellschaften, so intransparent und unterschiedlich sind wie gegenwärtig. Da mag einer Airline auch die allseits beliebte "Nutzerfreundlichkeit" von Google zum Verhängnis werden.


Wie wird sich Google in der Reise- und Flugbranche darstellen?


Derzeit laufen beide Programme parallel. Zum einen erhalten die Airlines Direktkunden durch die "Googleflugsuche" zum anderen stehen die Internet Portale noch in bevorzugter Position bei den Suchergebnissen von Google.

Google Flights selbst sieht sich (noch) nicht als Vermittler in seinem Auftritt. In den Nutzungsbedingungen wird immer bei allen Fragen an die Fluggesellschaft verwiesen und auch zur Wahl gestellt, direkt über die Airline Webseite zu buchen. Ein Serviceentgelt, an den Verbraucher als Vermittlungsgebühr, fällt nicht an. Es bleibt eine spannende Entwicklung.

Wohin die Reise Google im Jahr 2015 - 2016 führen wird, weiss *G...* allein.


PS: Sollten Sie bereits Erfahrung mit einer Buchung bei Google Flights gemacht haben bzw. regelmäßig buchen, freuen wir uns, wenn Sie einen Kommentar hinterlassen.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Vielen Dank für einen Eintrag